Nordlicht
2025
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© NWZ Archiv / Lina Lütje

ENTDECKEN

Varel – Wo Wald und Meer sich begegnen

Eine Stadt voller Geschichte, Natur und norddeutschem Charme

Wer zwischen salziger Meeresbrise und grünem Blätterdach zur Ruhe kommen will, ist in Varel genau richtig. Die charmante Stadt am Jadebusen feierte jüngst ihr 900-jähriges Bestehen – ein Jubiläum, das ihre reiche Geschichte und lebendige Gegenwart widerspiegelt. Mit ihrem Slogan „Stadt zwischen Wald und Meer“ bringt Varel die besondere Verbindung aus Natur, Kultur und norddeutscher Bodenständigkeit auf den Punkt.

Schon 1124 tauchte der Name „Vareler Höfe“ erstmals in einer Urkunde auf – ein historischer Meilenstein, der 2024 mit Ausstellungen, Lesungen und einem Kulturprogramm gefeiert wurde. Ein süßer Höhepunkt war der große Tortenwettbewerb mit prominenter Jury, darunter Enie van de Meiklokjes.

Doch Varel überzeugt nicht nur mit Geschichte – auch die Natur spielt eine Hauptrolle. Der Vareler Wald mit seinen verschlungenen Wegen, der Seghorner Nubbert und der Mühlenteich in Obenstrohe laden zu ruhigen Spaziergängen ein. Richtung Süden öffnen sich schließlich Felder und Wiesen, durchzogen von Rad- und Reitwegen – ideal für alle, die draußen neue Energie auftanken wollen.

Geschichte erleben

Im Vareler Stadtzentrum wiederum stößt man auf beeindruckende Baukunst: Die Schlosskirche im Zentrum zählt zu den bedeutendsten Kirchen Norddeutschlands. Ihr wuchtiger Westturm, der kreuzförmige Grundriss und der prachtvolle Schnitzaltar von Ludwig Münstermann erzählen von Varels kultureller Vielfalt. Aktuell erhält sie eine neue Bronze-Pforte des Bildhauers Carl Constantin Weber – ein modernes Kapitel in alter Geschichte.

Wenige Schritte weiter erhebt sich die imposante Vareler Windmühle – einer der größten Galerieholländer Deutschlands. Heute ist sie eine Museumsmühle mit Ausstellungen zu friesischen Traditionen wie Boßeln und Klootschießen, bäuerlichem Gerät und zwei restaurierten Hansa-Automobilen aus lokaler Produktion.

Auch der Hafen spiegelt Varels Vielfalt: Zwischen Segelbooten, kleinen Werkstätten und Fischkuttern treffen sich Spaziergänger, Feinschmecker und Geschichtsinteressierte. Hier finden sich Reste der Christiansburg aus dem 17. Jahrhundert – und mit Deutschlands kleinster Kneipe ein echtes Unikum.

Ein Ort mit Herz ist das Waisenstift von 1671. Gegründet von Graf Anton I., bietet es bis heute jungen Menschen Halt. Nach Sanierung ist es nicht nur Heim, sondern auch Veranstaltungsort – mit Konzerten, Vorträgen und Trauungen im „Regentenzimmer“.

Kunst im Stadtraum

Die Kunst begegnet einem in Varel ebenfalls: Etwa mit der „Krabbenpulerin“ von Judith von Eßen, einem Denkmal für die Frauen der Nachkriegszeit. Oder am Geburtshaus von Lothar Meyer, Mitentwickler des Periodensystems – heute mit einer modernen, symbolischen Fassade.

Zum Bummeln lädt die Innenstadt ein: mit inhabergeführten Läden, Cafés und dem beliebten Wochenmarkt auf dem Neumarktplatz. Hier trifft Regionalität auf norddeutsche Herzlichkeit.

Hoch hinaus geht es schließlich im 50 Meter hohen Wasserturm. Wer die 220 Stufen meistert, wird mit einem grandiosen Blick auf Varel, das Wattenmeer und den Jadebusen belohnt. Eine kleine sportliche Einlage, die sich in jedem Fall lohnt.

Von Lina Lütje