URLAUB
Vareler Hafen lockt mit einmaliger Atmosphäre
Fischspezialitäten – Uriges, gemütliches Flair – Sehenswürdigkeiten
Der Vareler Hafen ist mit seiner besonderen Atmosphäre nicht nur bei Urlauberinnen und Urlauber sehr beliebt. Auch viele Einheimische lockt das urige und gemütliche Flair immer wieder ans Hafenbecken der Stadt zwischen Wald und Meer. Vor allem Fischliebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Verkaufsläden rund um das Wasser bieten Fischspezialitäten, frisch oder geräuchert, in allen Variationen an. Gerade nach einem etwa vier Kilometer langen Hafenrundgang schmeckt ein Fischbrötchen besonders gut.
Der Vareler Hafen als touristischer Anziehungspunkt ist der Heimathafen vieler Sportboote, einiger Krabbenkutter und der Etta von Dangast. Rund um das Hafenbecken gibt es unter anderem kleinere Gewerbebetriebe, eine vielfältige Gastronomie, ein Luft- und Raumfahrtunternehmen, Bootsbauer, ein Brauhaus, eine Galerie, ein Museum, viele Sehenswürdigkeiten und mit „Up’n Prüfstand“ die vermutlich kleinste Kneipe Deutschlands zu bewundern.
Nicht weit vom Hafenbecken entfernt, fällt einem sofort ein kleines Backsteinhäuschen ins Auge: „Up’n Prüfstand“. Eine Theke, ein Zapfhahn und ein kleines Spülbecken – viel mehr passt in den 4,5 Quadratmeter großen Raum gar nicht hinein. Eigentlich hätte es „Zur Waage“ heißen müssen. In den 30er Jahren befand sich in dem Gebäude nämlich eine Waage für Fischreste. 1970 wurde das Backsteinhaus schließlich in einen Bremsenprüfstand für Lkw umfunktioniert – deshalb „Up’n Prüfstand“.
Die erste Hafenanlage in Varel entstand 1681 mit dem Bau der Christiansburg, die aber wegen des Schlicks nie zur Geltung kam und 1694 aufgegeben werden musste. Im Jahr 1733 wurde ein neues Siel gebaut, das vor dem Deich auch eine Anlegestelle für Schiffe hatte. Varel war in den 1840er Jahren wichtigster Seehafen im Oldenburger Land. Mit der Gründung der Jade-Dampfschiffahrts-Gesellschaft wurde 1856 eine wöchentliche Linienschifffahrt nach London eingerichtet.
Erlebenswert ist auch das Spijöök Museum Varel. Dieser besondere Ort ist eine Schatzkiste voll friesischer Küstenkultur und offen für alle, die in die Welt alter Seefahrergeschichten eintauchen möchten und sich für Seemannstraditionen interessieren. Das familienfreundliche Spijöök Museum bietet maritime Kuriositäten und Seemannslegenden. Neben einem legendären Mini-U-Boot (eines der ersten Exponate des Museums) sind das Skelett der berühmt-berüchtigten RVAG (Ratten von außergewöhnlicher Größe) und das Toilettenfenster der „Titanic“ zu bestaunen. Vor dem „Spijöök“ findet sich mit dem gelben ausgemusterten Bell-Hubschrauber ein ehemaliges Lufttaxi Varel – Lissabon. Ein paar Meter daneben steht das russische Atom-U-Boot „Schutka“, das nach einer umfangreichen Renovierung im vergangenen Jahr jetzt wieder seine kuriose Originalfarbe aufweist. Das Wort „Spijöök“ kommt übrigens aus dem Plattdeutschen und bedeutet „Ulk – humorvolle Unterhaltung“. Geöffnet ist das Museum von Mitte Mai bis Mitte September, samstags und sonntags jeweils von 15 bis 17 Uhr. Gruppenführungen ab zehn Personen werden auch ganzjährig außerhalb der regulären Öffnungszeiten angeboten. Mehr Informationen über geraldchmielewski@yahoo.de oder 04451/4488.
Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten am Vareler Hafen gehören unter anderem auch drei Kunstwerke: Die Skulptur „Eismann/-frau“ von Eckart Grenzer als Teil des Skulpturenpfads Kunst am Deich, der „Future Fish“ und die „Schildkröte im Netz“ von Diedel Klöver als Mahnmal gegen den Plastikmüll und die Vermüllung in den Ozeanen.
Von Friedhelm Müller-Düring